Google+ Julias Buchblog: Donna Leon - Himmlische Juwelen

Dienstag, 4. Dezember 2012

Donna Leon - Himmlische Juwelen

Himmlische Juwelen
Donna Leon
ISBN 9783257068375


Die Musikwissenschaftlerin Caterina Pellegrini soll zwei seit Jahrhunderten versiegelte Truhen untersuchen, die den Nachlass von Abbé Agostino Steffani enthalten, eines Barock-Komponisten, Bischofs und Diplomaten. Das gegenseitige Misstrauen der beiden möglichen Erben ist so groß, so dass sie Caterina als unabhängige Expertin engagieren, damit keiner den anderen übervorteilen kann. Bald stellt sich heraus, dass die beiden Cousins davon ausgehen, dass in der Truhe Hinweise auf einen Schatz verborgen sind. Caterina findet in den Unterlagen zunächst zwar nichts, das auf größere materielle Hinterlassenschaften deutet, aber sie entdeckt, dass Steffani in allerlei dubiose Geschichten und möglicherweise sogar in ein Mordkomplott verwickelt war. Und dann ist da noch der Anwalt Moratti, der nicht nur die beiden Cousins vertritt, sondern offenbar noch eigene Interessen in der ganzen Sache hat und Caterina ganz schön den Kopf verdreht...

Barockmusik ist Donna Leons großes Hobby. Und die Begeisterung für diese Musik, die durch die Zeilen anklingt, ist denn auch das Beste an diesem Roman. Ansonsten ist er vor allem langweilig. Über weite Strecken des Buchs sieht man Caterina dabei zu, wie sie forscht und liest, Hunger bekommt, etwas isst, liest und forscht und dann heimgeht, um dort weiterzulesen. Als Person bleibt sie schwer fassbar und widersprüchlich, was teilweise auch durch die Story bedingt ist. Anders ist beispielsweise nicht zu erklären, dass eine ansonsten sehr kirchenkritische und logisch denkende Frau davon ausgeht, dass der Vatikan zwei Truhen mit unbekanntem Inhalt aus dem Besitz eines Bischofs mit dubioser Vergangenheit herausgibt, ohne sich die Papiere anzusehen und oder zumindest vorher den rechtmäßigen Besitzer zu ermitteln. Aber das darf Caterina erst nach zweihundert Seiten begreifen, denn mit solchen Tricks wird versucht, künstlich etwas Spannung in die Geschichte zu bringen. Diese fällt aber nach wenigen Seiten jeweils wieder in sich zusammen, weil die angedeuteten dunklen Machenschaften bis zum Schluss kein klares Bild ergeben. Zwar werden die „himmlischen Juwelen“ am Ende gefunden, aber was damit passiert, wer die Drahtzieher hinter der ganzen Geschichte sind und was deren Motivation ist, bleibt alles gleichermaßen unklar oder zumindest unplausibel.

Die Begeisterung ihrer Freundin Cecilia Bartoli, die als Sängerin eben eine neue CD mit Arien von Agostino Steffani herausgebracht hat, soll Donna Leons Interesse für Steffani als historische Figur geweckt haben und sie dazu inspiriert haben, nach zwanzig Büchern um den beliebten Commissario Brunetti mal etwas anderes zu schreiben. Aber falls das ein Versuch war, sich auf Brunettis Pensionierung vorzubereiten und sich ein neues literarisches Tätigkeitsfeld zu eröffnen, darf man ihn als vollumfänglich gescheitert betrachten. Nach der Lektüre bleibt nur das Unverständnis darüber, dass eine versierte Autorin einen so dürftigen Plot in eine derart langweilige Geschichte packt, und ein bisschen Neugier darauf, wie die Musik dieses schwer fassbaren Komponisten wohl klingen mag.

Kommentare:

  1. Klingt nach einem sehr langweiligen Krimi... Danke, so weiß ich, was ich nicht kaufen muss.

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    1. Es ist irgendwie auch kein Krimi, eher so ein komisches Zwischending zwischen Thriller, historischem Roman und ganz viel banalem Forschungsbericht, garniert mit etwas venezianischem Flair. Aber den Venedig-Touch kann man bei den Brunettis auch finden und bekommt dort lebensechte und liebenswerte Figuren plus eine vernünftige Geschichte noch dazu ;)

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  2. Mmh, schwierige Lektüre, wie mir scheint. Ich persönlich habe noch keinen einzigen Roman von Donna Leon gelesen - und bin mir auch nicht mehr sicher, ob ich das unbedingt muss.

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    1. Also die frühen Brunettis sind wirklich gut. Da ist nur das Problem, dass nach 20 Bänden irgendwann nichts mehr neues kommt, aber die ersten 6-8 sind ein absoluter Lesegenuss und haben damals das Genre der eher ruhigen Regionalkrimis massgeblich mitgeprägt.

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