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Freitag, 1. Februar 2013

Ursula Sarrazin - Hexenjagd

Hexenjagd: Mein Schuldienst in Berlin
Ursula Sarrazin
ISBN 978-3424350760


In „Hexenjagd“ berichtet Ursula Sarrazin, die Frau von Ex-Senator Thilo Sarrazin, von ihren Erlebnissen der letzten Jahre als Grundschullehrerin in Berlin. Als engagierte Lehrerin, die sich nicht scheut, Klartext zu sprechen, stemmt sie sich gegen das seit Jahren sinkende Leistungsniveau. Dabei gerät sie zwangsläufig immer wieder mit Eltern aneinander, die ihr „hochbegabtes“ Kind mit entsprechenden Noten bedacht sehen wollen, ungeachtet der tatsächlichen Leistung des Kindes. Bei diesen Konflikten kann sie immer weniger auf die Hilfe der harmoniebedachten Schulleitung zählen, der die Lehrerin längst zu anstrengend und unbequem geworden ist. Mit Schikanen wird versucht, sie ruhigzustellen. Da Ursula Sarrazin nicht klein beigibt, beginnt eine systematische Mobbing-Kampagne, wobei aus kleinlichen Vorfällen ein Disziplinarverfahren konstruiert wird. Als dann auch noch die öffentliche Debatte um das stark polemisierende Buch ihres Mannes hochkocht, nehmen auch die Medien Ursula Sarrazin immer stärker ins Visier...

Als Ehefrau eines polemisierenden Politikers steht man nun mal im Rampenlicht und wird mit den umstrittenen Thesen seines Mannes in Verbindung gebracht, ob man das will oder nicht. Aber egal wie sehr man Thilo Sarrazin verabscheuen mag, ist das kein Freipass für Mobbing gegen seine Frau. Wenn auch nur die Hälfte der Schilderungen in diesem Buch stimmt (und ich gehe davon aus, dass sowohl Ursula Sarrazin als auch der Verlag da vorsichtig waren, schon um sich gegen Verleumdungsklagen abzusichern), dann hat diese Frau in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Hetzjagd erleben müssen, für die es keine Entschuldigung gibt. Ich bin indirekt mehrmals mit Mobbing konfrontiert worden und weiß, wie viel Kraft es kostet, sich ständig gegen solche Schikanen zur Wehr zu setzen, und ich bewundere Frau Sarrazin dafür, wie ausdauernd sie gegen diese Angriffe gekämpft hat. Insofern finde ich es verständlich, dass sie nach ihrem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Schuldienst diese hinterhältige Mobbing-Kampagne öffentlich macht, auch wenn sie dabei (logischerweise) nicht immer objektiv bleibt.
Allerdings hat das Buch ein ganz gewaltiges Manko. Mobbing besteht nun mal aus vielen kleinen Angriffen, die das Opfer zermürben sollen. Leider zermürben sie aber auch den Leser,  denn Ursula Sarrazin schildert alle diese Vorfälle sehr ausführlich und teilweise mehrfach. Dazu kommt die eher schlichte, schwerfällige Sprache, die auch nicht für Lesegenuss sorgt. Deshalb ist „Hexenjagd“ hauptsächlich für Leute interessant, die sich ein Bild vom Phänomen „Mobbing“ machen wollen oder die sich im Detail für Missstände im (Berliner) Schulwesen interessieren. Bei allen anderen dürfte dieses ziemlich langatmige Buch dagegen auf wenig Begeisterung stoßen.

Kommentare:

  1. Danke fürs Vorstellen dieses Buches. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich dieses und ähnliche Bücher lesen will.
    Als künftige Lehrerin sollte ich eigentlich informiert sein, aber ich habe Angst, etwas zu lesen, das mich eher vergrault.
    Bin darum noch skeptisch. Sollte ich das Buch aber kaufen, werde ich dir schreiben.

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    1. Die Gewichtung liegt auch eher auf dem Mobbing als auf den Problemen des Schulsystems, ich denke, dazu gäbe es informativere Bücher.

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