Google+ Julias Buchblog: Sonja Planitz - Tödliche Träume

Samstag, 20. Juli 2013

Sonja Planitz - Tödliche Träume

Tödliche Träume
Sonja Planitz
Kindle Edition



Bei einer Freundin konnte ich letzthin einmal ihren Kindle ausleihen, weil ich mir überlege, mir einen E-Reader zuzulegen, um für den kommenden Urlaub etwas weniger Bücher schleppen zu müssen. Und weil ich immer wieder von Indie-Autoren angeschrieben werde, wollte ich kein Buch testlesen, dass ich auch gedruckt kaufen könnte, sondern mal einer unbekannten Autorin eine Chance geben. Leider hat sich das als großer Fehler entpuppt:

Die Geschichte ist zwar relativ kurz, aber inhaltlich ganz ok: Eine Gruppe von Teenagern mit übersinnlichen Fähigkeiten soll klären, warum es im Herrenhaus Black Rose und der kleinen Ortschaft in der Nähe spukt und immer wieder eigentlich gesunde Leute plötzlich an Herzstillstand sterben. Dabei geht es neben den mysteriösen Vorfällen auch um die Entwicklungen innerhalb der Gruppe, um Streitereien und Freundschaft. Nichts Neues, es gibt hunderte ähnliche Geschichten, aber ganz nett.

Sprachlich dagegen ist das Buch ziemlich miserabel. Schon stilistisch ist einiges problematisch, da stört mich hauptsächlich, dass die Sprache nur sehr begrenzt zu den jugendlichen Protagonisten passt. Dazu kommen massenhaft Rechtschreib- und Grammatikfehler, die nach kurzer Zeit das Lesevergnügen stark beeinträchtigen. Neben einer sehr willkürlichen Kommasetzung fällt vor allem auf, dass die Autorin offenbar auch zu jenen gehört, die im Alltag in Internetforen etc. aus Bequemlichkeit alles klein schreiben und dann in ihren literarischen Texten die korrekte Groß-/Kleinschreibung nicht mehr beherrschen. Bezeichnenderweise nimmt die Fehlerdichte im Verlauf den Buches deutlich zu, die ersten Seiten der Leseprobe helfen also zur Beurteilung der Sprache nur wenig, die enorme Fehlerzahl merkt man erst nach dem Kauf. Dass die Autorin bei Amazon auf meine Kritik anmerkt, dass eine überarbeitete Version demnächst erscheine und man diese gratis aktualisieren könne, ist zwar gut gemeint, bringt mir aber nichts, da ich das Buch sicher nicht nochmals lesen werde. Ist es denn so absurd, dass man für sein Geld von Anfang an anständige Qualität erwartet?

Fazit: wieder einmal ein Buch, das fast alle Vorurteile gegenüber Selfpublishing-Titeln bestätigt. Klar ist so ein E-Book relativ günstig, aber auch relativ kurz, so dass bei einem normalen Taschenbuch der Preis pro Lesestunde nicht teurer ist, man dort aber zumindest einen ordentlich lektorierten Text bekommt!

Kommentare:

  1. Ich sehe Im Selfpublishing-Sektor drei Faktoren, die m. E. dazu führen, dass diese Bücher meistens außer dem Autor gesehen haben, der noh einmal darüber geschaut hat.
    Der erste besteht in Naivität und Selbstüberschätzung (z. B. Schreiben kann doch jeder oder 'ich bin so genial, ich kann gar nicht schlecht schreiben!'
    Der Zweite dürfte Ungeduld sein
    Der dritte dürfte schlicht darin zu sehen sein, dass sich die wenigsten Indie-Autoren einen ordentlichen Lektor leisten können (kaum einer von denen, die ich kenne, hat das finanzielle Standing, Mindestens 300 € pro 100 Seiten auszugeben).

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  2. Ich habe da gemischte Erfahrungen - einerseits habe ich schon so einige einfach unglaublich schlechte E-Books gelesen (zum Glück kostenlos), einmal habe ich jedoch einen regelrechten Glücksgriff getan und mir den Debütroman eines jungen deutschen Autors runtergeladen. Der hatte zwar einige wenige Mätzchen (die aber weniger darin bestanden, was du oben aufgeführt hast), aber insgesamt hat mich das Buch so überzeugt, dass ich von ihm gerne auch die anderen Romane lesen würde.
    Allerdings erschien es nicht im Selbstverlag.

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    1. Ich hatte da auch schon ein-zwei Glückstreffer, aber angesichts der riesigen Menge an Schrott sinkt meine Bereitschaft, ohne explizite Empfehlung Indie-Romane zu lesen...

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