Google+ Julias Buchblog: Marie Kondo - Magic Cleaning

Samstag, 2. November 2013

Marie Kondo - Magic Cleaning

Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert
Marie Kondo
ISBN 9783499624810


Die Japanerin Marie Kondo ist schon von klein auf von Aufräumen und Ordnung schaffen fasziniert. Im Laufe der Jahre hat sie ihr System perfektioniert und das Aufräumen zu ihrem Beruf gemacht. Nun hilft sie anderen dabei, Ordnung zu schaffen und dann auch zu behalten. Ihr Grundsatz: wenn man einmal richtig durchdacht aufräumt, bleibt die Ordnung nachher fast automatisch. Dafür muss man aber erst einmal drastisch ausmisten. Marie Kondo hält ihre Leser dazu an, jeden einzelnen Gegenstand in die Hand zu nehmen und sich zu fragen, ob er einen glücklich macht und regelmäßig einem sinnvollen Zweck dient, denn nur dann hat er eine Daseinsberechtigung.

Meine Wohnung ist jetzt nicht sonderlich chaotisch, aber trotzdem gibt es den einen oder anderen Winkel, wo etwas mehr Ordnung nicht schaden würde. Deshalb werfe ich gerne mal einen Blick in solche Ratgeber und hole mir frische Inspiration und neue Tipps. „Magic Cleaning“ hat sich allerdings als ziemlicher Reinfall erwiesen. Es mag ja sein, dass viele Ratschläge in diesem Buch für asiatische Leser nicht ganz so esoterisch wirken wie für Europäer, aber für mich ist das definitiv nichts. Nein, ich trockne mein Geschirr nicht auf dem Balkon. Nein, ich habe keine Lust, jede Socke einzeln sorgfältig zu falten, weil zusammengeworfene, auf links gewendete Knäuel schlechte Energien verbreiten. Und nein, ich spreche nicht regelmäßig mit meiner Wohnung, um meine Wertschätzung auszudrücken.
Aber auch abseits vom esoterischen Teil hat Marie Kondo nur wenig brauchbare Tipps. Vieles wirkt recht weltfremd. Wer jemals mit einem Teenager zusammengelebt hat, dürfte beispielsweise über die Theorie, dass Ordnung ansteckend wirkt und von alleine auf die restlichen Familienmitglieder übergreift, wenn man seine eigenen Sachen konsequent wegräumt, nur lachen. Zudem ist mir die Autorin auch viel zu radikal. Marie Kondo packt alles in Müllsäcke und wirft es weg, andere Formen, nicht mehr gebrauchte Gegenstände loszuwerden, kennt sie offenbar nicht. Und nur geliebte und häufig verwendete Gegenstände in der Wohnung zu dulden, klingt zwar erst einmal ganz sinnvoll, ist aber in dieser extremen Form auch eher unpraktisch, gerade wenn es um Papiere und Unterlagen geht. Als mich vor einigen Wochen der Alarm unseres Tiefkühlers wegen eines Stromausfalls nachts aus dem Schlaf gerissen hat, war ich jedenfalls sehr froh, dass ich die Bedienungsanleitung innert Kürze zur Hand hatte, obwohl ich sie nicht liebe und vorher auch nie gebraucht habe. Und wenn die Waschmaschine das Bad überflutet, mag ich auch nicht erst mühsam das Modell ermitteln, um dann im Internet die nötigen Infos zu suchen, auch wenn sie dort zweifellos platzsparender aufgehoben sind...

Kommentare:

  1. Ich musste bei dem Satz "Marie Kondo hält ihre Leser dazu an, jeden einzelnen Gegenstand in die Hand zu nehmen und sich zu fragen, ob er einen glücklich macht und regelmäßig einem sinnvollen Zweck dient, denn nur dann hat er eine Daseinsberechtigung." sofort denken: "Soll ich jetzt z.B. meinen Hammer wegwerfen, weil ich den selten brauche und er mich nicht wirklich glücklich macht? Was, wenn ich dann doch mal nen Nagel einschlagen will? Neuen Hammer kaufen und nach Gebrauch gleich wieder wegwerfen?"
    Außerdem stimme ich zu, dass es ja wohl andere Entsorgungsmethoden als Wegwerfen gibt: Oxfam spenden, Freunden schenken, auf eBay verkaufen ...

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    1. Genau solche Fragen habe ich mir während der Lektüre auch gestellt, aber ohne eine vernünftige Antwort zu finden. Klar, in einigen Dingen schadet großzügiges Ausmisten nichts (jeder von uns hat wohl mehr Kleidung im Schrank, als er tatsächlich trägt), aber irgendwie hatte ich den Verdacht, dass sich Kondos System auf ein Jungmädchenzimmer bezieht, nicht auf einen kompletten Haushalt, ev. sogar noch mit Kindern.
      Ebay lehnte sie übrigens mit der Begründung ab, dass das vorherige Reinigen, Fotografieren, Einstellen etc. viel zu viel Zeit und Energie kostet. Und Weiterschenken ist für sie auch keine Option, weil wir dadurch ja nur andere mit unserem "Gerümpel" belasten würden, da sich die Betroffenen nicht trauen abzulehnen. Vielleicht auch ein Kulturproblem, ev. ist ein klares "Nein danke!" in Japan deutlich unhöflicher als hierzulande...

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  2. Hallo,
    hab das Buch ebenfalls gelesen und die Methode auch ausprobiert, aber weit weniger radikal. Ich finde man muss ihre esoterischen Ratschläge ja nicht ernst nehmen, ich trockne mein Geschirr ja auch nicht auf dem Balkon (würde ich nicht lieben) und die Duschutensilien räume ich auch nicht jedes Mal aus dem Bad (wer große Packungen verwendet, kann sie ja in kleinere umfüllen, damit sie nicht vergammeln). Aber ansonsten finde ich ihre Methode eigentlich recht gut. Bei Kleidung ist sie jedenfalls am sinnvollsten gegenüber anderen Aufräum-Methoden. Es gibt meistens einen Grund warum man ein Kleidungsstück zwei Jahre lang nicht trägt und ich behaupte mal, die meisten Frauen tragen es nicht nur deshalb nicht mehr, weil es aus der Mode gekommen ist, sondern es einfach nicht gut passt, man sich unwohl darin fühlt etc.

    Zum Thema Wegwerfen: irgendwo steht sogar mal, dass die aussortierte Kleidung ein Fall für die Altkleidersammlung ist. Allerdings nur ein mal im ganzen Buch. Kleidung KANN ich nicht wegwerfen, außer sie ist kaputt, also kommt die in die Kleiderspende. Das hat auch meine Mutter schon so gemacht.

    Vielleicht sollte man nicht jedes "Wegwerfen" auch tatsächlich als "Wegwerfen" interpretieren. Im Prinzip geht es, finde ich, halt darum nicht die Eltern oder andere mit dem Zeug, das man selbst nicht mehr haben will, zuzumüllen. Und wenn man sich mal eingehend mit seinem Krempel auseinander setzt kommt vielleicht wirklich mal der Knackpunkt an dem man bewusster einkauft und dann gibts auch (fast) keine Fehlkäufe mehr.

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