Google+ Julias Buchblog: Nicola Strekow - Youtasia

Donnerstag, 22. Juni 2017

Nicola Strekow - Youtasia

Youtasia
Nicola Strekow
epubli
ISBN 9783742702180



Nach dem 3. Weltkrieg haben unvorsichtige Forscher das Tor zur Unterwelt geöffnet, mit verheerenden Folgen. Die Erde ist großflächig verwüstet und nur in einem kleinen Bereich namens Youtasia leben noch Menschen. Zumindest in den Randbezirken trauen sie sich aber kaum mehr ans Tageslicht, denn Dämonen machen gnadenlos Jagd auf sie. Und selbst der Tod ist kein Ausweg, denn die Dämonen haben es auf die menschlichen Seelen abgesehen, um sie zu foltern. Aber eine dieser Seelen entdeckt Fähigkeiten, die einen Ausweg für die Menschheit bieten könnten...

Tja, ich hätte mir die enttäuschende Lektüre ersparen können, wenn ich mich im Voraus etwas schlau gemacht hätte über die Hintergründe zu diesem Buch. Das Erstlingswerk von jungen Autoren, die das Buch ein gutes halbes Jahr nach Manuskript-Beginn schon im Druck haben: sorry, aber es hat sehr gute Gründe, weshalb sowas nur im Selbstverlag erscheint, denn bei fast allen seriösen Verlagen hätte das Buch (zumindest in dieser Form) keine Chance. Damit meine ich nicht, dass es abgrundtief schlecht ist, es ist nur bei weitem noch nicht fertig, sondern müsste von Grund auf nochmals überarbeitet werden, weil es noch deutliche Schwächen und Anfängerfehler aufweist. Und dann ist "Youtasia" wie viele Self-Publishing-Bücher  schlecht lektoriert und korrigiert (das ist nicht dasselbe!), denn ein wohlmeinender Freund ist eben kein Fachmann. In der vorliegenden Form jedenfalls ist "Youtasia" als Grundidee ganz vielversprechend, als Buch für den Leser aber eine Zumutung.

Erstes Ärgernis: die Sprache. Immer wieder bin ich über Fehler gestolpert und vor allem die Kommasetzung ist klar verbesserungswürdig. Einzelne Wörter oder ganze Teilsätze werden zu oft wiederholt, die sprachliche Tiefe fehlt. Zudem merkt man an stilistischen Brüchen, dass sich hinter dem Pseudonym Nicola Strekow mehrere Autoren verbergen.

Zweites Ärgernis: die Beschreibungen sind einerseits sehr explizit (deshalb auch Altersempfehlung ab 16 Jahren!). Nach dutzenden Seiten mit sehr genauen Schilderungen von Foltermethoden hatte ich einfach genug. Das sind Details, die ich in dieser Form gar nicht so genau wissen wollte. Andererseits sind ebendiese Beschreibungen sehr repetitiv und auf die Handlung begrenzt, während an anderer Stelle Informationen fehlten. Beispielsweise werden die Protagonisten beim ersten Auftritt kurz geschildert, danach aber kaum mehr. So bleiben sie wortwörtlich sehr farblos, weil ich Details wie etwa die Haarfarbe nach den ersten Kapiteln (wo ich primär um einen Überblick gekämpft habe) vergessen habe und diese nachher so gut wie nie mehr erwähnt wurden - ein klassischer Anfängerfehler, da der Autor im Gegensatz zum Leser seine Figuren ja stets plastisch vor Augen hat und deshalb um die Notwendigkeit solcher Details wissen muss.

Drittes Ärgernis: der Aufbau der Geschichte. Die Perspektive wechselt oft, was zu Beginn erst einmal für Verwirrung sorgt. Zeitsprünge und Wechsel zwischen Parallelwelten und Daseinsformen sorgen ebenfalls nicht für Klarheit, zumindest bis sich das Grundnarrativ des Buches herauskristallisiert. Bis dahin hat sich der Leser aber bereits durch einen Drittel des Buches kämpfen müssen. Und durch die Sprünge (und falsch gewählte Kapitelüberschriften) geht auch ein Teil der Spannung verloren, weil die Handlung zu früh absehbar ist.

Dass es auch in der Geschichte kleinere Unstimmigkeiten gibt, ist angesichts dieser Punkte fast vernachlässigbar. Und da offenbar bereits eine Fortsetzung geplant ist, ist leider auch nicht zu erwarten, dass sich an diesen Mängeln noch viel ändert...

Fazit: in der vorliegenden Form eine gute Idee verborgen unter einer Masse von Anfängerfehlern, aber definitiv noch kein stimmiges Buch!



Herzlichen Dank an die AutorInnen für das Rezensionsexemplar.

1 Kommentar:

  1. Hey!
    Danke für deine sehr gut durchdachte Rezension, die mich definitiv vor einem Fehlkauf bewahrt. Sehr schade, dass heute jeder meint, dass er ein Buch ohne Lektorat und Korrektur auf den Markt werfen kann. Wenn ich dafür dann auch noch Geld bezahlt habe, dann macht mich das richtig wütend.
    Bei diesem "Werk" wird es mir definitiv nicht passieren, dafür Geld auszugeben.
    Hab noch eine schöne Woche
    LG
    Yvonne

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